Folge 10: Insel im Sturm. West-Berlin und das Ende der DDR

Der Mauerfall 1989 und die Entwicklungen des Jahres 1990 werden viel zu oft aus einer reinen Ost-Perspektive betrachtet. Für die Bürgerinnen und Bürger der DDR waren die Jahre 1989/90 unzweifelhaft eine einschneidende Zäsur. Doch auch die „Insel“ West-Berlin und ihre Bewohnerinnen und Bewohner befanden sich mitten im Sturm der Ereignisse. Wie gingen sie mit den Umbrüchen in der Stadt um? Wie reagierten sie auf Veränderungen des eigenen Lebens: etwa auf die Tatsache, dass ihre Stadt nun von heute auf morgen doppelt so groß war? Welche Gefühle und Erinnerungen verbinden sie mit dem Jahr 1990 und wie blicken sie heute darauf?

Quelle: Stiftung Berliner Mauer, Foto: Detlef Gallinge

Unser Gast:

Dr. Stefanie Eisenhuth ist Historikerin am Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam und beschäftigt sich unter anderem mit der Geschichte West-Berlins. Sie blickt aber nicht nur aus einer wissenschaftlichen Perspektive auf die Ereignisse 1989/90, sondern ist als 1977 geborene West-Berlinerin auch Zeitzeugin.

Musik: Alexander Köpke und Maximilian Schöne, 2020

Folge 9: „Es ging um Klarheit!“ – Der Streik der Müllwerker in Ost-Berlin 1990

26.06.1990: Müllfahrer streiken vor dem Roten Rathaus in Berlin
© ddrbildarchiv.de/Burkhard Lange

Das Jahr 1990 war ein Jahr des Arbeitskampfs. In Ost-Berlin streikten u.a. Beschäftigte der Krankenhäuser, des Einzelhandels und Volkspolizistinnen und Volkspolizisten. Die Müllwerker gehörten – mit einem Warnstreik im Januar und einem unbefristeten Ausstand im Juni – ebenfalls zu den Streikenden. Sie wollten Klarheit, wie es in ihrem Betrieb weitergehen sollte. Das Ende der SED-Diktatur und die sich anbahnende Vereinigung Deutschlands veränderte für sie – wie für die meisten Beschäftigten in der DDR – die ökonomischen und sozialen Rahmenbedingungen grundlegend. Auf der Agenda der Müllwerker standen Forderungen wie gerechtere Löhne, bessere Arbeitsbedingungen und faire Entsorgungsgebühren. Letztlich wollten sie auch ein Bekenntnis vom Magistrat Ost-Berlins: Das Kombinat Stadtwirtschaft, dem die Müllabfuhr zugeordnet war, sollte zum kommunalen Betrieb werden.

Unser Gast:

Frank Batsch arbeitete 1990 in einem der Betriebshöfe der Müllabfuhr als Kfz-Schlosser und war Vertrauensmann seiner Kolleginnen und Kollegen. Im BABcast erzählt er, wie die Stimmung 1990 im Betrieb war und wie es zum Streik kam.

Podcastgast Frank Batsch und Andrea bei der Aufnahme, © Jens Schöne/BAB
Frank Batsch in den 80ern, © Privat

Musik: Alexander Köpke und Maximilian Schöne, 2020

Folge 8: Aus Feind wird Freund – Die Vereinigung der Ost- und West-Berliner Polizei 1990

Am 1. Oktober 1990 wurden Ost- und West-Berliner Polizei zu einem gemeinsamen Polizeiapparat vereint: eine Herausforderung, die im Alltag der Polizistinnen und Polizisten Spuren hinterließ. Wie war das, auf einmal mit jemandem auf Streife zu gehen, der vor wenigen Monaten noch auf der anderen Seite der Mauer seinen Dienst versehen hatte? Welchen Vorurteilen sahen sich Polizistinnen und Polizisten aus Ost und West gegenüber? Wie gingen sie mit Unterschieden in der bisherigen Arbeitsweise um? Wie fanden sich die neuen Kolleginnen und Kollegen aus dem Osten in die neuen Rahmenbedingungen ein?
In der heutigen Folge begeben wir uns auf individuelle Spurensuche. Wir fragen nach, wie der Polizeialltag 1990 im geschichtsträchtigen Berliner Bezirk Prenzlauer Berg aussah und wie die Polizistinnen und Polizisten aus Ost und West die Zeit kurz vor und nach der deutschen Einheit erlebt haben.

© Polizeihistorische Sammlung Berlin

Unser Gast:

Ute Novakovic, Jahrgang 1970, ist Polizistin und arbeitet seit sieben Jahren in der Dienststelle Eberswalder Straße im Prenzlauer Berg.
Nur mit ihrem kleinen Camcorder ausgerüstet fing sie irgendwann an, ältere Kolleginnen und Kollegen zu fragen, wie sie die Ereignisse der Jahre 1989 und 1990 erlebt haben. Aus diesen unzähligen Stunden Interviews ist jetzt eine Ausstellung in der Polizeihistorischen Sammlung entstanden.


Links:

Informationsseite zur Ausstellung auf der Homepage der Polizeihistorischen Sammlung

Themenseite und Link zur Dokumentation „Was wurde aus der Volkspolizei?“ beim MDR

Informationen zur Zusammenarbeit von Deutscher Volkspolizei und Stasi

Dossier und Dokumente zur Demokratisierung der Deutschen Volkspolizei


Musik: Alexander Köpke und Maximilian Schöne, 2020

Folge 7: Mauermalen

„Die Mauer muss weg!“ tönte es auf den Straßen der DDR im Herbst 1989 – und sie verschwand 1990 tatsächlich binnen weniger Monate aus dem Berliner Stadtbild. Ihr Abriss war für die DDR-Bürgerinnen und -Bürger symbolisch für die gewonnene grenzenlose Freiheit. Er veränderte auch das alte West-Berlin grundlegend. Dort gehörte die Mauer zum Alltag und diente einigen jungen Künstlern als Leinwand für eine ganz besondere Kunstform: die Mauermalerei. Was als spontane Street-Art-Bewegung Mitte der 1980er Jahre in Kreuzberg begann, avancierte mit der Grenzöffnung zu einem gefragten Kunstobjekt. Bereits im Januar 1990 und damit Monate vor dem offiziellen Abriss ließ die damalige DDR-Regierung bemalte Mauerteile demontieren und in alle Welt verkaufen. Sie sind auch 30 Jahre später noch gefragte Spekulations- und Erinnerungsobjekte. Während die Mauer und mit ihr die Mauerkunst aus Berlin verschwanden, setzten sich Künstler wie Thierry Noir für die Bewahrung der Erinnerung an die Teilung ein und schufen mit der East Side Gallery ein neues Kunstwerk, das noch heute tausende Menschen anzieht.


Mauerkunst in Kreuzberg (West-Berlin), 1986
© Mauer Photos Noir / VG Bild-Kunst


Unser Gast:

Thierry Noir, geboren 1958 in Lyon (Frankreich), kam am 23. Januar 1982 in West-Berlin an und begann zwei Jahre später, zusammen mit anderen Künstlern die Mauer an der Grenze zu Kreuzberg zu bemalen. Nach dem Fall der Mauer am 9. November 1989 wurden seine Kunstwerke in alle Welt verstreut. Noir engagierte sich für die East Side Gallery, die am 28. September 1990 auf dem längsten bis heute erhaltenen Mauerstück eingeweiht wurde. Thierry Noir lebt und arbeitet als Künstler in Berlin.

Thierry Noir vor seinen Kunstwerken, 1986
© Mauer Photos Noir / VG Bild-Kunst

Links:

Website von Thierry Noir

Hintergründe zu Mauerkunst und Mauermarketing

Informationen zur East Side Gallery

30 Jahre East Side Gallery

Mauerkunst und Mauerreste heute:

Erste Löcher in der Mauer: Mauerkunst in Kreuzberg, Januar 1990
© mauer-fotos.de / Stiftung Berliner Mauer F-023301

Die Berliner Mauer in der Welt, hrsg. von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Berlin 2014

Lutz Henke: »Mauerkunst«, in: Klaus-Dietmar Henke: Die Mauer – Errichtung, Überwindung, Erinnerung, München 2009


Musik: Alexander Köpke und Maximilian Schöne, 2020

Folge 6: Jedem seine Akte!

Die Friedliche Revolution in der DDR fegte auch das gefürchtete Ministerium für Staatssicherheit (kurz: Stasi) hinweg. Ab Dezember 1989 besetzten engagierte Bürgerinnen und Bürgern überall im Land Dienststellen der Geheimpolizei, am 15. Januar 1990 schließlich auch deren Zentrale in Berlin-Lichtenberg. Was noch wenige Monate zuvor absolut unvorstellbar war, geschah: Ende März gleichen Jahres hörte die Stasi praktisch auf zu existieren.

Daraus ergaben sich zahlreiche Folgeprobleme, eines der drängendsten war dieses: Wie sollte man nun eigentlich mit den Hinterlassenschaften des Geheimdienstes umgehen? Wohin mit den Akten, den Fotos, den Filmen und vielem anderen mehr? Im Sommer 1990 spitzten sich die Auseinandersetzungen über diese Fragen dramatisch zu – und sie gipfelten im September in einer zweiten Besetzung des Geländes in Berlin-Lichtenberg, auf dem sich jetzt ein Archiv mit Stasi-Unterlagen befand.

Zwei Wochen rangen Besetzerinnen und Besetzer, Politik und Öffentlichkeit um die Zukunft dieser Unterlagen. Die Lösungsvorschläge reichten dabei von der Vernichtung der Akten über ihren langjährigen Verschluss bis hin zur völligen Offenlegung. Am Ende stand kein Kompromiss, sondern eine klare Weichenstellung, die wesentlichen Einfluss auf die kommenden Jahre und unseren Blick auf die DDR nehmen sollte. Die Geschichte dieser Besetzung zeigt damit auch, dass zivilgesellschaftliches Engagement den Lauf der Dinge ganz wesentlich beeinflussen kann.

Unser Gast:

Wolfram „Tom“ Sello, geboren 1957 im sächsischen Meißen, engagierte sich zu DDR-Zeiten in verschiedenen Oppositionsgruppen, insbesondere, nachdem er 1979 nach Ost-Berlin gezogen war. Er organisierte Fahrraddemonstrationen gegen die allgegenwärtige Umweltverschmutzung und verbreitete 1982 gemeinsam mit Freunden Flugblätter gegen das neue Wehrdienstgesetz sowie die allgemeine Militarisierung der Gesellschaft. Ab 1987 arbeitete er in der oppositionellen Umweltbibliothek mit. 1989 nahm er sowohl an der unabhängigen Kontrolle der Kommunalwahlen im Mai teil als auch an der Mahnwache in der Gethsemanekirche im Oktober. Er war langjähriger Mitarbeiter der Robert-Havemann-Gesellschaft e. V. und ist seit November 2017 Berliner Beauftragter zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.

Links:

Zeitzeugenbericht Stephan Konopatzky bei der Bundeszentrale für politische Bildung

Beschreibung der Abläufe bei der MDR Zeitreise

Themenlayer auf jugendopposition.de

Zeitzeugin Martina Graeser zu Mahnwache (Film)


Musik: Alexander Köpke und Maximilian Schöne, 2020

Folge 5: Fußball vereint – Das Jahr 1990 und der Frauenfußball

1990 war ein sehr bewegtes Jahr für den Frauenfußball. Die Mannschaft der Bundesrepublik hatte erst einige Monate zuvor, im Sommer 1989, ihren ersten Sieg einer Europameisterschaft errungen. Die Fußballerinnen in der DDR hingegen bekamen erst 1990 eine eigene Nationalmannschaft. Am 9. Mai absolvierten sie ihr einziges Spiel gegen die damalige Tschechoslowakei. Auch eine offizielle DDR-Meisterschaft gab es ein erstes und letztes Mal in der Saison 90/91.

Die Wiedervereinigung 1990 veränderte auch den Frauenfußball. Waren viele Freizeitvereine bislang als so genannte Betriebsportgruppen von einzelnen Betrieben getragen, brach diese Struktur mit der Transformation der DDR-Wirtschaft seit dem Frühjahr 1990 weg. Für zahlreiche Vereine bedeutet dies das Ende, andere mussten sich neu orientieren und fanden ihren Weg. Im Gegensatz zum Männerfußball schaffte es mit Turbine Potsdam zumindest eine ehemalige DDR-Mannschaft, sich langfristig in der Frauen-Bundesliga zu halten.

So gingen der DDR-Fußballverband DFV mit völlig unterschiedlichen Voraussetzungen in die Verhandlungen mit dem westdeutschen DFB. Die am 21. November 1990 vollzogene Fußball-Einheit bedeutete eine Übernahme des DDR-Verbandswesens. Nur die beiden besten Mannschaften der DDR-Meisterschaft bekamen einen Platz in der Bundesliga. Die späte Professionalisierung im DDR-Frauenfußball sorgte dafür, dass sich wenige Spielerinnen langfristig sportlich etablieren konnten, einige von ihnen gestalten allerdings seit 1990 die Entwicklung des Frauen- und Mädchenfußball mit.

Unser Gast:

Eine von ihnen ist Kathrin Nicklas. Sie arbeitet seit 30 Jahren beim Berliner Fußball-Verband, davor war sie beim Sportverband der DDR, dem DTSB, tätig. Seit 1982 spielte sie aktiv Fußball, bis zum Jahr 1989 bei KWO Berlin, der Betriebssportgruppe des Kabelwerks Oberspree in Berlin-Schöneweide. Als der Betrieb 1990 abgewickelt wurde, übernahm der 1. FC Union Berlin die Frauenmannschaft. Von 1990 bis 1997 war sie als Spielerin, von 1997 bis 2004 als Trainerin bei Union tätig. 1990 gehörte sie zu den besten Fußballerinnen der DDR und war für das einzige Länderspiel im Kader der DDR-Nationalmannschaft. Sie hat ihr Hobby zum Beruf gemacht und engagiert sich neben ihrer Arbeit im Berliner Fußball-Verband auch im Ausschuss für Frauen- und Mädchenfußball des DFB.

Literatur:

Jutta Braun/Hans Joachim Teichler (Hg.): Sportstadt Berlin im Kalten Krieg, Berlin 2006

Carina Sophie Linne: Freigespielt. Frauenfußball im geteilten Deutschland, Berlin 2011

Links:

Themenschwerpunkt der MDR Zeitreise zur Geschichte des DDR-Frauenfußballs

Spiegel-Artikel zum Verbot des Frauenfußballs in der Bundesrepublik Deutschland

Eine Chronologie des Frauenfußballs auf der Seite der Bundeszentrale für politische Bildung

Der Nordostdeutsche Fußball-Verband stellt im Rahmen von „50 Jahre Frauenfußball“ prägende Persönlichkeiten vor. Hier zum Beispiel Margit Stoppa, die Vorsitzende der Kommission Damenfußball im Jahr 1990.

Berichterstattung zum 1. Länderspiel der DDR-Nationalmannschaft auf YouTube

Folge 4: Vom Verschwinden der Stasi – Wie löst man eigentlich einen Geheimdienst auf?

Die DDR war 1990 der einzige Staat auf der Welt, der auf einen eigenen Geheimdienst verzichtete. Die Erfahrung, jahrzehntelang von einer Geheimpolizei überwacht und unterdrückt worden zu sein, führten zum Jahreswechsel 1989/90 auf Druck der Opposition zu der Entscheidung, alle Geheimdienstapparate ersatzlos abzuschaffen.

Das Ministerium für Staatssicherheit (MfS), Ende Februar 1950 gegründet und für die Sicherung der SED-Diktatur eingesetzt, wurde damit fast genau 39 Jahre später zum 30. März 1990 Geschichte. Mehr als 90.000 hauptamtliche Mitarbeiter und hunderttausende geheime Spitzel stellten ihre Arbeit ein. Die Aufarbeitung des im Auftrag der kommunistischen Staatspartei SED begangenen Unrechts konnte beginnen und dauert bis heute fort. Wie man einen riesigen Apparat wie das Ministerium für Staatssicherheit auflöst und was das in der Praxis bedeutet, darüber reden wir mit Margitta Kupler, die damals an diesen Vorgängen beteiligt war.

Unser Gast:

Ausweis des Runden Tisches für Margitta Kupler, Privatbesitz

Margitta Kupler, geboren am 13. August 1961, in den 1980er Jahren in der kirchlichen Jugendarbeit und Oppositionsgruppen tätig, ab Dezember 1989 Mitglied der Arbeitsgruppe zur Auflösung des Ministeriums für Staatssicherheit (AG Sicherheit), die vom Zentralen Runden Tisch eingesetzt wurde, um die Stasi abzuwickeln. Mit Beendigung der Arbeit des Runden Tisches nach der Parlamentswahl am 18. März 1990 wieder in der Jugendarbeit tätig. Lebt und arbeitet heute in Demmin und Berlin.

Links:

Auflösung des MfS 1989/90
Beitrag im MfS-Lexikon des BStU

„Das Bezirksamt ist handlungsunfähig“. Vom eigentlichen Ende der DDR-Geheimpolizei
Aufsatz zur Auflösung der Stasi in den Bezirken, Bundeszentrale für politische Bildung

Margitta Kupler zur Stasi-Auflösung

David Gill zur Stasi-Auflösung

Literatur:

Jens Gieseke: Die Stasi. 1945 -1990, München 2011

Jens Schöne: Erosion der Macht. Die Auflösung des Ministeriums für Staatssicherheit in Berlin, Berlin 2014

David Gill und Ulrich Schröter: Das Ministerium für Staatssicherheit. Anatomie des Mielke-Imperiums. Berlin 1991

Walter Süß: Staatssicherheit am Ende. Berlin 1999.


Musik: Alexander Köpke und Maximilian Schöne, 2020

Folge 3: Demokratie wird gemacht!

„Freie Wahlen“ – das war eine der zentralen Forderungen der DDR-Bürgerinnen und -Bürger, die im Herbst 1989 gegen das SED-Regime auf die Straße gingen.

In der DDR hatte es zwar regelmäßig Abstimmungen gegeben, doch sie sollten dem SED-Regime lediglich einen demokratischen Anstrich geben. Eine „Wahl“ hatten die DDR-Bürgerinnen und -Bürger nicht. Sie konnten nicht zwischen personellen oder gar politischen Alternativen wählen.

Dies änderte sich erst im Frühjahr 1990. Am 18. März fanden die ersten freien Volkskammerwahlen statt. Wenige Wochen später – am 6. Mai 1990 – wählten die DDR-Bürgerinnen und -Bürger dann ihre kommunalen Vertretungen.

Andrea spricht über die Organisation und den Ablauf der Kommunalwahlen in Ost-Berlin mit Christa Müller, die 1990 Vorsitzende der Wahlkommission in Weißensee war. Im Gespräch geht es um demokratische Teilhabe, gesellschaftliches Engagement und die Herausforderungen, die damit verbunden waren.

Unser Gast:

Christa Müller war 1990 Vorsitzende der Wahlkommission in Weißensee.1990 bis 1996 war sie Bezirksstadträtin und von 1996 bis 1999 Mitglied der Bezirksverordnetenversammlung in Weißensee. Von 2001 bis 2011 gehörte sie dem Berliner Abgeordnetenhaus an.

Aufruf der Wahlkommission Weißensee

Stimmzettel zur Kommunalwahl in Weißensee

Links:

Virtuelle Ausstellung des Bundesarchivs zu den Wahlen in der DDR

Beitrag von ALEX Berlin zu den Kommunalwahlen 1989 in Ost-Berlin

Beitrag des Zeitzeugenportals der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland zu den Volkskammerwahlen 1990


Musik: Alexander Köpke und Maximilian Schöne, 2020

Folge 2: Frauen in der Transformation

1990 war auch aus der weiblichen Perspektive heraus ein Jahr des Wandels. Zwei Aspekte haben auf unterschiedliche Weise den Alltag der Frauen in Ost und West verändert: das Scheidungsrecht und die Möglichkeit zum Schwangerschaftsabbruch.

Abtreibung war in der DDR seit 1972 innerhalb der ersten drei Monate ohne Angabe von Gründen möglich und wurde nicht als Straftat angesehen – im Gegensatz zu §218 in der Bundesrepublik.

Im Frühjahr 1990 zogen zehntausende Demonstrantinnen vor die Parlamente in Berlin und Bonn, um gegen die Übernahme des Abtreibungsparagraphen §218 zu demonstrieren. Es folgte eine öffentliche und vor allem politische Debatte.

Das Thema Scheidung hingegen steht noch weniger im Fokus der Erzählungen rund um das Jahr 1990, als die Diskussionen um §218.

Jana spricht mit ihrem Gast, der Wissenschaftlerin Dr. Anja Schröter, über Scheidungsrecht in der DDR, die Entwicklungen im Jahr 1990 und was sich für Frauen in Ost und West nachhaltig verändert hat.

Unser Gast:

Dr. Anja Schröter studierte Geschichts- und Politikwissenschaft an der Universität Potsdam und promovierte zur Ehescheidungspraxis in Ostdeutschland. Von 2011 bis 2019 war sie am Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam tätig.

Seit 2019 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der Robert-Havemann-Gesellschaft e.V.


Links:

Themenseite bei der MDR Zeitreise
https://www.mdr.de/zeitreise/ddr/schwangerschaftsabbruch-abtreibung-ddr100.html

Deutsche Einheit 1990
https://deutsche-einheit-1990.de/ministerien/mfff/schwangerschaftsabbruch

Themenseite beim Deutschlandfunk
https://www.deutschlandfunk.de/appelle-des-20-jahrhunderts-2-protest-gegen-das.724.de.html?dram:article_id=418358

Stern, Ausgabe vom 6. Juni 1971, Titelbild: Wir haben abgetrieben!
https://www.hdg.de/lemo/bestand/objekt/druckgut-stern-wir-haben-abgetrieben.html

Artikel von Dr. Anja Schröter über Frauen und Ehescheidung in der DDR
https://www.goethe.de/ins/se/de/kul/sup/umb/21696917.html?forceDesktop=1

Artikel von Dr. Anja Schröter über Frauenbilder in Ost und West
https://zeitgeschichte-online.de/thema/geteilt-und-vereint-frauenbilder-ost-und-west.


Musik: Alexander Köpke und Maximilian Schöne, 2020

Folge 1: Hör mal, wer da aufarbeitet!

In der ersten Folge des BABcast erfahrt ihr etwas mehr über uns und unsere Arbeit – und natürlich über unseren Podcast. Wir arbeiten alle in der Abteilung historisch-politische Bildung beim Berliner Aufarbeitungsbeauftragten, haben aber ganz unterschiedliche Erfahrungshorizonte und Interessen. Ihr könnt hören, wo und wie die Idee zum BABcast geboren wurde und wie wir uns das Ganze in Zukunft vorstellen. Außerdem versorgen wir euch mit ein paar inhaltlichen Ausblicken rund um unser Thema „1990. Berlin im Wandel“. Worauf könnt ihr euch in den nächsten Monaten freuen? Die Themen sind so vielfältig wie das Jahr 1990: Fußball, Demokratie, Stasi und mehr.

Musik:
Alexander Köpke und Maximilian Schöne, 2020

Links:
https://www.babcast-berlin.org
https://www.berlin.de/aufarbeitung/
https://www.histocamp.de/