Folge 5: Fußball vereint – Das Jahr 1990 und der Frauenfußball

1990 war ein sehr bewegtes Jahr für den Frauenfußball. Die Mannschaft der Bundesrepublik hatte erst einige Monate zuvor, im Sommer 1989, ihren ersten Sieg einer Europameisterschaft errungen. Die Fußballerinnen in der DDR hingegen bekamen erst 1990 eine eigene Nationalmannschaft. Am 9. Mai absolvierten sie ihr einziges Spiel gegen die damalige Tschechoslowakei. Auch eine offizielle DDR-Meisterschaft gab es ein erstes und letztes Mal in der Saison 90/91.

Die Wiedervereinigung 1990 veränderte auch den Frauenfußball. Waren viele Freizeitvereine bislang als so genannte Betriebsportgruppen von einzelnen Betrieben getragen, brach diese Struktur mit der Transformation der DDR-Wirtschaft seit dem Frühjahr 1990 weg. Für zahlreiche Vereine bedeutet dies das Ende, andere mussten sich neu orientieren und fanden ihren Weg. Im Gegensatz zum Männerfußball schaffte es mit Turbine Potsdam zumindest eine ehemalige DDR-Mannschaft, sich langfristig in der Frauen-Bundesliga zu halten.

So gingen der DDR-Fußballverband DFV mit völlig unterschiedlichen Voraussetzungen in die Verhandlungen mit dem westdeutschen DFB. Die am 21. November 1990 vollzogene Fußball-Einheit bedeutete eine Übernahme des DDR-Verbandswesens. Nur die beiden besten Mannschaften der DDR-Meisterschaft bekamen einen Platz in der Bundesliga. Die späte Professionalisierung im DDR-Frauenfußball sorgte dafür, dass sich wenige Spielerinnen langfristig sportlich etablieren konnten, einige von ihnen gestalten allerdings seit 1990 die Entwicklung des Frauen- und Mädchenfußball mit.

Unser Gast:

Eine von ihnen ist Kathrin Nicklas. Sie arbeitet seit 30 Jahren beim Berliner Fußball-Verband, davor war sie beim Sportverband der DDR, dem DTSB, tätig. Seit 1982 spielte sie aktiv Fußball, bis zum Jahr 1989 bei KWO Berlin, der Betriebssportgruppe des Kabelwerks Oberspree in Berlin-Schöneweide. Als der Betrieb 1990 abgewickelt wurde, übernahm der 1. FC Union Berlin die Frauenmannschaft. Von 1990 bis 1997 war sie als Spielerin, von 1997 bis 2004 als Trainerin bei Union tätig. 1990 gehörte sie zu den besten Fußballerinnen der DDR und war für das einzige Länderspiel im Kader der DDR-Nationalmannschaft. Sie hat ihr Hobby zum Beruf gemacht und engagiert sich neben ihrer Arbeit im Berliner Fußball-Verband auch im Ausschuss für Frauen- und Mädchenfußball des DFB.

Literatur:

Jutta Braun/Hans Joachim Teichler (Hg.): Sportstadt Berlin im Kalten Krieg, Berlin 2006

Carina Sophie Linne: Freigespielt. Frauenfußball im geteilten Deutschland, Berlin 2011

Links:

Themenschwerpunkt der MDR Zeitreise zur Geschichte des DDR-Frauenfußballs

Spiegel-Artikel zum Verbot des Frauenfußballs in der Bundesrepublik Deutschland

Eine Chronologie des Frauenfußballs auf der Seite der Bundeszentrale für politische Bildung

Der Nordostdeutsche Fußball-Verband stellt im Rahmen von „50 Jahre Frauenfußball“ prägende Persönlichkeiten vor. Hier zum Beispiel Margit Stoppa, die Vorsitzende der Kommission Damenfußball im Jahr 1990.

Berichterstattung zum 1. Länderspiel der DDR-Nationalmannschaft auf YouTube


Musik: Alexander Köpke und Maximilian Schöne, 2020